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Von der Gründung 2007 bis heute
Der Orgel- und Kirchbauverein St. Marien in Husum wurde am 14.09.2007 gegründet, um den Kirchenvorstand hinsichtlich der Renovierung der Kirche zu unterstützen. Bei der Marienkirche in Husum handelt es sich um ein sehr bedeutendes Bauwerk des nordeuropäischen Klassizismus; sie wurde von dem Kopenhagener Staatsarchitekten Christian Frederik Hansen (1756-1845) in den Jahren 1828-32 errichtet (von Hansen: Domkirche, altes Rathaus, Hofkirche in Kopenhagen u.v.a.).
Die Unkenntnis über die Bedeutung des Klassizismus führte im Verlauf des 19. und 20.- Jahrhunderts immer wieder zu ungünstigen Veränderungen des Innenraums, die den Wert desGebäudes und seine Aussagekraft beeinträchtigten. Seit etlichen Jahren versucht die Kirchengemeinde St. Marien das Aussehen der Kirche entsprechend dem ursprünglichen Zustandwieder herzustellen. Dies ist hinsichtlich der Fenster und der Altarwand auch gelungen. Nachdem aber weitere Maßnahmen notwendig wurden – neue farbliche Gestaltung der Säulen und des gesamten Innenanstrichs sowie der Neubau einer Orgel, kames zur Gründung des Vereins. Dieser hat sich die genannten Ziele zur Aufgabe gemacht, da die Kirchengemeinde (ca. 2.800 Mitglieder) auch aufgrund des Kirchensteueraufkommens dazu allein nicht in der Lage ist.
Ein wesentlicher Gesichtspunkt dabei war, dass ein Verein auch Menschen für die genannten Ziele ansprechen kann, die nicht kirchengebunden sind und/oder nicht in Husum leben. Dem Verein geht es dabei um den Erhalt und die Wiederherstellung eines bedeutenden Baudenkmals, das zum kulturellen Erbe des Landes gehört. Die Kirche, unmittelbar am Markt gelegen, ist von großer touristischer Bedeutung, sie hat jährlich zwischen 50 000 und 70 000 Besucher. Der Förderverein unterstützt damit einmal die Kirchengemeinde selbst,aber auch den Kultur- und Tourismusstandort Husum und somit auch die Wirtschaft der Region.
Der Verein wurde am 14.09.2007 gegründet. Er ist beim Vereinsregister des Amtsgerichts Flensburg unter dem Zeichen VR 2210 FL eingetragen. Er hat derzeit 69Mitglieder. Die ursprüngliche Satzung ist bisher nicht geändert worden.
Der Verein hält regelmäßig Jahreshauptversammlungen ab, der Vorstand trifft sich in der Regel monatlich. Hauptaufgabe des Vereins ist das Sammeln finanzieller Mittel, um die erheblichen Kosten der Arbeiten aufbringen zu können. Als erste Maßnahme hat er ein aus dem 16. Jahrhundert stammendes Epitaph restaurieren lassen, das seit etwa 20 Jahren beschädigt war. Als erste umfangreiche Arbeit sollen nunmehr zwischen Januar und April 2010 die 16 Säulen der Kirche farblich neu gefasst und die Bänke neu gestrichen werden. Die Säulen sind bisher in einem dunklen Braunton gehalten, sie sollen einen gebrochen weißen Anstrich erhalten, während die Bänke derzeit in einem dunklen Grau gefasst sind, sie sollen ebenfalls in einem hellen Ton gestrichen werden.Diese Farben entsprechen dem Originalbefund und werden mit dem Landesamt für Denkmalpflege und die Bauamt der Kieler Kirchenverwaltung abgesprochen, wie überhaupt alle Maßnahmen mit den entsprechenden amtlichen und kirchenamtlichen Stellen abgesprochen und koordiniert werden.
Folgende Aktivitäten sind unternommen worden, um die notwendigen Mittel durch Spenden zu akquirieren:
1.
Der Organist von St. Marien, Kai Krakenberg hat vier Orgelkonzerte aufgeführt mit dem gesamten Orgelwerk Johann Sebastian Bachs. Der Erlös kam dem Verein zugute. Das erste Konzert fand am 27. Januar 2008 um 18. 00 Uhr statt. Der Verein gabanschließen einen kleinen Empfang in der Kirche. Am 22. Juni und 20.Juli fanden weitere Konzerte statt.
2.
Der Organist hat eine Orgelführung veranstaltet
3.
Der Rödemisser Spielmannszug bestritt in St. Marien ein Benefizkonzert zugunsten des Vereins, ohne selbstHonorar zu nehmen.
4.
Am 03. Oktober bot der Verein eine Exkursionsfahrt nach Wesselburen an, dort besteht ebenfalls ein Orgelbauverein, der in einer sehr großen Barockkirche eine neue Orgel errichtet. Diese ist im Bau. Die zahlreich erschienen Vereinsmitglieder konnten sich über die Machbarkeit der Maßnahme überzeugen.
5.
Der Verein hat einen entsprechenden Flyer herausgegeben, mit dem er für seine Zwecke wirbt, er betreibt durch Information der Zeitung Öffentlichkeitsarbeit und hat in der Kirche eine Vitrine aufgestellt, inder mit entsprechenden Papieren (Plänen und Berichte) über die Arbeit und ihren Erfolg berichtet wird.
6.
Schließlich wurde im Mai eine Aktionswoche mit Vorträgen usw. durchgeführt, mit denen speziell für das Verständnis für die Kirche und ihre nationale Bedeutungreferier wurde. Für diese Woche wurde ebenfalls ein Flyer herausgegeben. Das Unternehmen erwies sich als ein großer Erfolg.
Insgesamt sind jetzt die Mittel erreicht, die notwendig sind, um die Säulen und einen Teil der Bänke neu zu streichen. Bis zum Januar 2010 geht der Verein davon aus, dass die Mittel auch für alle Bänke vorhanden sein werden. Nach der Neufassung wird die Kirche einen völlig anderen Eindruck ergeben, einen, der dem ursprünglichen nahe kommt (Wände und Decke sind von dieser Maßnahme noch nicht erfasst). Ein Foto des angestrebten Zustandes (jedenfalls hinsichtlich der Säulen) kann durch einen merkwürdigen Umstand beigefügt werden.In dem Begleitbuch zur Kulturkarte Schleswig-Holstein, das 2005 vom Landesamt für Denkmalpflege herausgegeben wurde, findet sich eine Abbildung des Kircheninneren mit weißen Säulen. Vermutlich handelt es sich um eine computer-bearbeitetes Foto, das versehentlich in das Begleitbuch geriet, sehr gut aber den geplanten Zustand zeigt, der allerdings erst fünf Jahre nach Erscheinen des Buches, nämlich 2010, eintreten kann. Die Bänke sind allerdings auf dem Foto nicht bearbeitet worden.
Die Kirchengemeinde unterstützt die Aktivitäten des Vereins erheblich, etwa durch besondere Hinweise auf seine Veranstaltungen oder durch Kollekten an besonderen Gottesdiensten, Goldene Konfirmation u.a.. Da es nicht zu einer Konkurrenzsituation zwischenKirchenvorstand und Gemeinde kommen soll, tritt der Verein laut Satzung auch nicht als Bauherr auf, sondern will lediglich die Mittel besorgen. Im übrigen sind drei der fünf Vorstandsmitglieder des Vereins auch im Kirchenvorstand. Die Vorsitzende des Kirchenvorstandes ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins, so dass für eine ausreichende Verzahnung der beiden Organe gesorgt ist, was die Arbeit problemlos gestaltet.
Orgelneubau
Zu den weiteren Aufgaben des Vereins gehört auch die Beschaffung von Mitteln für den Neubau einer Orgel in der Kirche. Diese Orgel wäre dann vierte Orgel in der Geschichte des Gotteshauses. Die erste Orgel befand sich in der Öffnung über dem Altar (östliche Lünette) und wurde noch während der Bauzeit dort errichtet, obwohl C.F. Hansen weder dort noch an einer anderen Stelle im Innern der Kirche einen Platz für eine Orgel vorgesehen hatte, möglicherweise war ihm die Aufstellung der Orgel ein untergeordnetes Problem.
Jedoch erwies sich im Laufe der Zeit die Orgel offenbar als zu klein. Wegen des geringen Platzes in dem Raum hinter der östlichen Lünette, war dort eine Erweiterung nicht möglich, so dass 1911 eine vorher nicht vorhandene Westempore eingezogen wurde, auf der dann eine neue Orgel der Firma Marcussen, Apenrade, Platz fand. Damit wurde allerdings die Architektur des Raumes erheblich verändert, da Hansen lediglicheine Nord- und eine Südempore vorsah. Im Westen befand sich eine halbrunde Maueröffnung ähnlich der im Osten über dem Altar. Der Raum hinter dieser Öffnung war ein separater Raum, der mit Türen zu den beiden Treppenhäusern versehen war. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um die Loge des Königs, der in Husum ein Schloss hatte und hin und wieder sich auch in der Stadt aufhielt.
In den sechziger Jahren des Jahren des 20. Jahrhunderts entsprach die romantisch intonierte Marcussen-Orgel nicht mehr den Vorstellungen der Zeit, und man wünschte sich eine Orgel barocker Klangausrichtung, so dass die Marcussen-Orgel durch eine Orgel der Firma Kleuker ersetzt wurde. Außerdem wurde die ohnehin raumfremde Westempore um einen weiteren Säulenabstand erweitert, so dass der Raumeindruck völlig verändert wurde. Die nun mehr stark erweiterte Westempore sollte den Kirchenchor aufnehmen und ihm größer Aufführungen ermöglichen.
Es hat sich im Laufe der Zeit herausgestellt, dass die erweiterte Westempore nicht notwendig war, weilbei größeren Konzerten der Chor von einem Podest vor dem Altar aus singt. Von dort kann er besser gesehen und gehört werden. Die Orgel ihrerseits hat sich im Laufe der Jahre auch als sehr problematisch herausgestellt, da man während der Erbauungszeit (1964) verstärkt neue, aber unerprobte Materialien verwendet hatte und vom historischen mechanischen Orgelbau abgekommen war, was sich über die Jahrzehnte nicht bewährt hat. So wurden Kunststoffe und Elektromotore eingesetzt, die sich heute als anfällig erweisen, wobei die Elektromotore nicht mehr dem heutigen Standart entsprechend und auch einen mehrstündigen Dauerbetrieb nicht erlauben.Die Orgel von 1964 ist störanfällig und mittelfristig abgängig, so dass der Orgelsachverständige der Nordelbischen Kirche, Hans Martin Petersen, Travemünde, einen Neubau empfiehlt, der sich dann auch architektonisch besser in den Kirchenraum einfügen kann. – Pläne liegen hierfür noch nicht vor.
Die Husumer Orgel von 1964 ist in ihrer Problematik kein Einzelfall.Sehr viele Orgeln aus dieser Zeit sind bereits ersetzt worden, bzw. müssen in den nächsten Jahren ersetzt werden. Eine neue Orgel in der Husumer St. Marienkirche soll deswegen wieder in herkömmlicher Art gebaut werden und tunlichst viele Generationen überleben können, wie dies bei früheren Orgeln der Fall war.
Insgesamt ist zu sagen, dass sich der Orgel- und Kirchbauverein St. Marien eine große Aufgabe zum Ziel gesetzt hat, die aber auch notwendig ist. In Anbetracht dieser Tatsache erscheint es sinnvoll, zunächst mit den überschaubaren Schritten, wie der farblichen Neufassung der Säulen und der Kirchenbänke zu beginnen, da diejenigen Personen, die bereits gespendet haben, auch Erfolge sehen wollen, auch um sich weiterhin für das Vorhaben zu engagieren.
Ulf von Hielmcrone, Husum, den 08.06.2009