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| St. Marienkirche | Die Taufe | Die Glocken | Hermann Tast |
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Die klassizistische Marienkirche zu Husum wurde 1829-1833 vom dänischen Oberbaumeister Christian Frederik Hansen gebaut. Ihre ab 1436 errichtete gotische Vorgängerkirche wurde 1807 abgebrochen. Die Marienkirche ist der letzte Kirchenneubau des Architekten und enthält im Inneren wie im Äußeren Gestaltungselemente, die sich von seinen anderen Kirchen deutlich unterscheiden. Die Marienkirche ist dazu die einzige der 10 von Christian Frederik Hansen gebauten Kirchen, die auf einem horizontalen Podium steht, von einer dreiseitigen doppelten Lindenreihe eingerahmt ist, und in einen mittelalterlichen Stadtgrundriss eingefügt wurde.
Die Kirchenachse liegt auf der Winkelhalbierenden der Norder- und Süderstraße und nicht auf der streng nach Osten gerichteten Achse der gotischen Vorgängerkirche. Auf den ersten Blick fällt dreierlei auf: Die Baumpaare der 3 Alleeteile sind nicht wie üblich gegenüberstehend oder auf Lücke gepflanzt, sondern um ca. 1,5 m geringfügig gegeneinander versetzt. Die Pflanzabstände der Nord- und Südreihe sind gleich und betragen ca. 8m, die der Ostseite variieren zwischen 5, 8 und 17 m. Die inneren Eckbäume sind im Gegensatz zu den äußeren Eckbäumen um ca. 1,5 m verschoben.
Die Marienkirche ist äußerlich als Predigtkirche erkennbar und als Logitudinalkirche konzipiert. Im Inneren hat sie 2 Säulenreihen mit je 8 Säulen, die die Längsemporen tragen. Kirche und Außenanlagen sind symetrisch zur Kirchenlängsachse angelegt.
Das Podium besteht aus behauenen Granitquadern, ist im Osten 49,15 m, im Westen 41 m breit, also leicht trapezförmig gestaltet. Die Seitenlänge beträgt 62 m. Die Reduzierung der Breite wurde notwendig, da die Norder- und Süderstraße in einem spitzen Winkel aufeinander zulaufen.
Die Mauer gleicht das natürliche Geländegefälle aus, sie ist im Norden ca. 30 cm, im Süden ca. 1,25 m hoch. Entsprechend den 4 Portalen führen 4 Treppen auf das Podium bzw. zur Kirche. Zum Haupteingang im Westen führt eine ca. 8 m breite Freitreppe, die in einem halbrunden Versatz der ansonsten geradlinigen Podestmauern liegt.
Die Breite der doppelreihigen Lindenallee beträgt ca. 3,50 m. Von den insgesamt 40 Winterlinden bilden 8 die Ostseite, je 16 die Nord- und Südreihe.
Die Anordnung der Pflanzstellen der Nord- und Südreihe stehen zueinander und zu den Säulen der Marienkirche in einer klaren geometrischen Beziehung. Verbindet man je 2 versetzt gepflanzte Linden mit einer Linie und setzt diese fort, so führt diese auf einen Baum auf der anderen Kirchenseite. Die entsprechenden Linien jeder Seite kreuzen sich selbst in der Kirchenachse unddie Mitte zwischen 2 Säulen beider Säulenlängsachsen. Die Linden sind also im Raster des doppelten Säulenabstandes gepflanzt, beide bilden ein geometrisches System. Außerdem steht jedes Lindenpaar symetrisch zur Achse jeden 2. Fensters, dessen Breite 1,67 m beträgt. Der Pflanzabstand mit 1,30 m ist also etwas schmaler als das jeweilige Seitenfenster. Damit kann man diese Bäume unmittelbar aus der Kirche heraussehen. Daraus wird deutlich: über Linien- und Maßbezüge bilden die Linden der Nord- und Südreihe eine 2., die Kirche umschließende Säulenreihe und sind damit fester Bestandteil der Kirchenarchitektur.
Eine vergleichbare Linien- und Maßzuordnung ist für die Ostlinden zunächst nicht erkennbar. Ein erster Hinweis auf einen Bezug ist lediglich aus der Zahl abzuleiten. 8 Innensäulen, 8 Doppellinden, 8 Linden der Ostallee. Zieht man allerdings einen Kreisbogen um den fiktiven Kirchenmittelpunkt im Abstand zur Podiumsaußenmauer im Osten, so liegen auf diesem Kreis 6 Linden, von den 3 Reihen jeweils 2 Bäume. Die beiden exzentrischen Ecklinden der Innenreihe gehören dazu. Ein weiterer Kreisbogen um den fiktiven Mittelpunkt des östlichen Kirchennebenraumes erfasst dann die 4 restlichen östlichen Linden. Kreisbögen finden wir auch in der Kirche: die Lünette, West- und Ostfenster, Altarpodium. Das Halbkreismotiv des Inneren wiederholt sich also auch in der Lindenpflanzung, das seine Entsprechung im Halbkreis der westlichen PodiumsmauernDamit sind alle Linden über Linien untereinander, Linien in Bezug auf die Säulen oder durch Kreisbögen um fiktive Mittelpunkte der Kirche an das Gebäude gebunden. Kirchenarchitektur, Podium, Baumreihen und zulaufende Straßen sind also vielfach miteinander verknüpft. Alle bilden eine Einheit.
Vorbild für die Architektur von Christian Frederik Hansen waren die Tempel des klassischen Altertums. Allerdings veränderte Hansen beim Kirchenbau die Anordnung der Säulen grundlegend. Während beim antiken Tempel Säulen außen angeordnet sind und das Gebälk tragen, stehen bei der St. Marienkirche Säulen im Inneren der Kirche und tragen die Emporen der protestantischen Predigtkirche. Damit wird deutlich gemacht, daß eine Kirche eine andere Aufgabe als ein Tempel hat. Doch kehren die Außensäulen der antiken Tempel als Doppelreihe zurück in Form der Linden, die durch Linien, Kreisbögen, Maße und Zahlen in das Gebäude einbezogen sind. Anstelle des behauenen Steins einer Säule tritt Natur, die aus dem Kircheninneren durch die starke Transparenz in Form der vielen und großenFenster zu sehen ist. Damit wird die Natur in den Kirchenraum einbezogen.
Die Linden sind ca. 150 - 170 Jahre alt, sie wurden nach alt überlieferter Erziehung zu Kopfbäumen gestaltet. Ein Rückschnitt in regelmäßigen Abständen (ca. 15 Jahre) behindert ihren Wuchs, Stamm und Krone halten so ihre Dimension und ihr Volumen. Bei natürlichem Wuchs wären die Bäume ca. 30 m hoch und damit fast so hoch wie der Turm der St. Marienkirche. Sie hätten einen wesentlich dickeren Stammdurchmesser. Der Rückschnitt bewirkt also zweierlei: Der jetzige Stammdurchmesser entspricht etwa dem Durchmesser der Kirchensäulen, das Volumen der Baumkronen entspricht vor dem jeweiligen Rückschnitt den Proportionen des Kirchengebäudes. Ein sich daraus ergebender angemessener Abstand zwischen Baumkrone und Kirche stellt eine unaufdringliche aber klare Gliederung sicher.
Die Kapphöhen der Winterlinden vergrößerten sich im Laufe der Jahre. 3 Kapphöhen sind zu sehen, erkennbar an den Wülsten der Stämme. Die maximale Kapphöhe beträgt heute ca. 7 m, sie entsprichtin etwa der Säulenhöhe im Inneren.
Zusammenfassung
Kirchengebäude, Podium, Lindenbepflanzung und deren Pflege bilden ein ganzheitliches Konzept.
Maße, Bezüge und Proportionen sind Teil davon. Auch die wiederholt auftretende 8-Zahl, die bereits in der Antike als Symbol der Vollkommenheit, im Christentum als “erster Wochentag” und damit als Symbol der Neuschöpfung galt, gehört dazu. Die Gestaltungselemente Säule, Portal und Halbkreis wiederholen sich innen und außen mehrfach.
Innenanlage und Außenanlage der Marienkirche Husum gehören damit unverrückbar zusammen.