Kirchenbüro

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Unsere Kirche St. Marien

| St. Marienkirche | Die Taufe | Die Glocken | Hermann Tast |
| Bilder, Epitaphien und Grabplatten | Außenanlagen |

Erbaut 1829 - 1833, Entwurf von Christian Frederik Hansen dänischer Staatsbaumeister C.F.Hansen, Zeitgenosse von Karl Friedrich Schinkel in Berlin,ist einer der bedeutendstenBaumeister des frühen 19. Jahrhunderts in Nordeuropa.

Die Husumer Marienkirchegilt als Hauptwerk des Klassizismus in Schleswig- Holstein.

Die Restaurierung wurde gefördert von der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz.


Alte St. Marienkirche

Im Jahr 1436 konnten die Husumer darangehen, eine Kirche zu errichten. Bis dahin gehörten sie kirchlich zu Mildstedt. Die alte St. Marienkirche verfügte über einen hohen Kathedral-Chor, dessen Gewölbeschlusssteine etwa 21 m über dem Fußboden lagen und dessen spitzer Turm fast 100 m hoch war. (Ein Modell befindet sich im Nissenhaus.)

1807 wurde diese Kirche abgerissen, weil sie als baufällig galt. Ein Teil der alten Kunstschätze wurde in die neue Kirche übernommen: Die Taufe aus Messingguss aus dem Jahre 1643, geschaffen von dem Husumer Künstler Lorenz Karstensen und der ebenfalls vom Husumer Meister Jan van Groningen geschnitzte Renaissance-Rahmen links vom Eingang. Das Epitaph auf der rechten Seite stammt erst von 1903. Es erinnert an den Husumer Reformator Hermann Tast.

Weitere Ausstattungsstücke der alten Kirche befinden sich in Kirchen der Umgebung. (Der gotische Schnitzaltar in Schwabstedt, Apostelstatuetten in der katholischen Kirche in Friedrichstadt, Pastorenbildnisse und Altarleuchter in St. Jürgen Husum.)


Die neue St. Marienkirche

Die Pläne für die von 1829-1833 errichtete neue Kirche stammen von dem dänischen Staatsbaumeister Christian Frederik Hansen, dessen Eltern aus Husum gebürtig waren. Hansen schuf auch die Entwürfe für die Kopenhagener Domkirche und das alte Rathaus der dänischen Hauptstatt, ebenfalls für eine Reihe von Bauten in Hamburg und für die Vicelin-Kirche in Neumünster.

Er gilt als einer der bedeutendsten nordeuropäischen Baumeister des frühen 19. Jahrhunderts. Seine Husumer Marienkirche wird deswegen von Kunsthistorikern als “Hauptwerk des Klassizismus im Lande” bezeichnet.

Hansens Neubau spricht bei aller Kargheit der sparsamen, an antike Vorbilder angelehnten Formen seines Klassizismus eine kräftige Symbolsprache.

Der Turm etwa soll kein hochaufragender “Zeigefinger Gottes” sein, sondern eher an einen Leuchtturm erinnern, ein Orientierungspunkt der Gemeinde in der rauhen See des täglichen Lebens.

Gerufen von den Glocken, betritt die Gemeinde das “Haus Gottes”. Mächtig wirkende dorische Säulen begleiten den Weg im feierlichen Ernst des Innenraumes vom Eingang hin zum Altar. Sie stellen die Gemeinde dar, durch die die Kirche getragen wird.

An der Stirnseite des an einen Festsaal erinnernden Raumes befindet sich ein zweites Portal, das Ziel des Weges. Es gleicht in seinem Aufbau dem Außenportal, doch ist es reicher ausgestaltet. An die Stelle der schlichten dorischen Kapitelle treten ionische, denen in der Säulenordnung eine mittlere “vermittelnde Bedeutung” zukommt, während die dorische als die niedrige gilt.

Das Portal stellt den Zugang zur Welt Gottes dar - wie das äußere den Eingang zum Haus Gottes bildet. In dieses Portal hineingestellt sind der Altar und darüber die Kanzel mit dem Symbol des wachsamen Auge Gottes:

Das Auge - Gott sieht und er schläft nicht; das Dreieck- Symbol der Vollkommenheit und zugleich der Dreieinigkeit Strahlenkranz - Symbol für Licht und Wärme, für Freude und Leben.

Die Kanzel selbst ist, wie auch die alten Leuchter, mit Akanthusblättern verziert, den typischen Elementen der korinthischen Säule, die in der Säulenordnung den höchsten Rang einnimmt.

Platzierung und Gestaltung von Kanzel und Altar unterstreichen somit die einzigartige Bedeutung von Wort und Sakrament: in ihnen tritt Gottes Welt in unsere Welt ein. Im Hören auf Gottes Wort und in der Gemeinschaft am Tisch des Herrn hat die Gemeinde schon jetzt Anteil an Gottes Welt.

Über dem Portal das Kreuz und ein großer Bogen, der den Blick freigibt in einen offenen Raum. Bogen und Kreuz sind Symbole des Friedens Gottes mit den Menschen: der Regenbogen nach der Sintflut war das Zeichen, mit dem Gott Noah versprach, die Erde nicht wieder in einer solchen Flut zu vernichten.

Am Kreuz teilte Jesus das Leid derer, die an der Macht des Bösen leiden. In der Person Jesu zeigt Gott Solidarität mit ihnen. Das Kreuz ist als Lebensbaum gestaltet. Die Enden des Kreuzes sind blattförmig ausgebildet: Aus dem Kreuz Christi erwächst das Leben.

Über dem Kreuz erkennt man einen hellen Schein an der Decke des offenen Raumes: Gott als Licht der Hoffnung zeigt sich über dem Kreuz.

So erschließt sich die Marienkirche, die sich zunächst als nüchterner, beinahe weltlicher Bau darstellt, bei näherer Betrachtung doch in Wahrheit als ein Gottes-Haus: Ein Ort, an dem Gott zu dieser Welt kommen will, und an dem Menschen glaubend Anteil an Gottes Welt haben.

Noch ein Wort zu den Außenanlagen. Die 1807 abgerissene alte Marienkirche war erheblich größer als die jetzige, ihr Turm stand da, wo sich jetzt der Tinebrunnen auf der Mitte des nun entstandenen Marktplatzes befindet. C.F.Hansen löste das sich damals zeigende städtebauliche Problem wie folgt: er gestaltete die der Kirche und ihrem Westportal zugewandte Seite des Marktplatzes in Form eines weiten, zum Markt hin offenen, einladenden Bogens, in dem die zum Portal hinaufführenden Stufen in die Kirche hineinleiten.

Die Außenanlagen sind einmalig. Die Kirche steht auf einem trapezförmigen Podium, umpflanzt mit 40 Winterlinden. Diese bilden einen natürlichen Rahmen um die Kirche. Die Bäume stehen in Doppelreihen und haben einen Pflanzabstand, der dem Säulenabstand im Kircheninneren entspricht.Je 2 Linden sind leicht versetzt gepflanzt. Sie bilden einen weiteren Rahmen für jedes 2. Fenster. Die Maße, Linien und Proportionen der Bäume beziehen sich auf die architektonische Gestalt im Kircheninneren. Die Symbolik im Inneren wiederholt sich somit außen. Die Stämme der Linden entsprechen den Säulen, die Kugeln der Baumkronen den Halbbögen im Kirchengebäude. Damit werden Natur und Architektur miteinander verbunden. Der Lichteinfall im Kircheninneren nimmt nach Osten hin zu, weil der Abstand der Bäume zur Kirche größer wird. Dies verstärkt die zum Kanzelaltar hin gerichtete Dynamik des Kircheninneren.